Vereinsgeschichte

Grußworte der Festschrift zur 75 Jahrfeier des TSV Bad Wiessee aus dem Jahr 1998

Liebe Leser

Landrat Norbert Kerkel
Landrat Norbert Kerkel
Der TSV Bad Wiessee kann in diesem Jahr auf seine 75-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Wahrlich ein stolzer Grund für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Bad Wiessee dieses Jubiläum zu feiern.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, dem Turn- und Sportverein die herzlichen Grüße und Glückwünsche zu übermitteln.

In den vergangenen 75 Jahren hat der Verein sicher eine bewegte Geschichte erlebt, mit Höhen und Tiefen, mit Erfolgen und Niederlagen. Das Ziel ist aber immer das gleiche geblieben, nämlich die sportliche Betätigung für Jung und Alt, gepaart mit viel Idealismus und Kameradschaft.

Wieviel ärmer wären daher unsere Gemeinden, gäbe es nicht die Vereine.

Der TSV Bad Wiessee ist aus der Tradition gewachsen, wo heute noch der Leitspruch gilt:

„Freude geben, Kameradschaft vermitteln und Freundschaft vertiefen im sportlichen Geist.“

Deshalb danke ich all denen für Ihre Treue und Ihren Einsatz, die dazu beigetragen haben, den Verein mit viel Geschick bis heute zu führen.

Ich hoffe und wünsche, dass sich der TSV Bad Wiessee weiterhin so erfreulich entwickelt, zum Wohle seiner Mitglieder und der gesamten Gemeinde.

Norbert Kerkel
Landrat

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Herzliche Glückwünsche

BLSV Praesident Peter Kapustin
BLSV Praesident Peter Kapustin
übermittle ich im Namen des Präsidiums des Bayerischen Landes-Sportverbandes, aber auch persönlich, den Mitgliedern, ihren Angehörigen und den Freunden des Turn- und Sportvereins Bad Wiessee zum 75-jährigen Bestehen. Mit inzwischen 950 Mitgliedern kann die rege Turn- und Sportgemeinschaft mit berechtigtem Stolz auf eine gute Entwicklung zurückblicken.

Herausragende Persönlichkeiten, wie Oberturnwart Willi Bohn, der den Verein in den schweren Zeiten nach dem zweiten Weltkrieg wieder ins Leben gerufen hat, Franz Lenbach sen., der mit seinem beispielhaften Engagement die Fußballabteilung entscheidend prägte und Helga Fischhaber, die sich seit 36 Jahren aktiv im Verein einsetzt und einen wesentlichen Anteil am Aufbau der Jugendarbeit hat, aber auch die erfolgreichen Sportler, wie Helmut Ertle, Willi Scherer und Herbert Fischhaber, haben in dem traditionsreichen Jubiläumsverein wichtige Akzente gesetzt.

Ihnen und insbesondere allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich mit Initiative und einem hohen Maß an Idealismus für die aktive Turngemeinschaft eingesetzt haben, möchte ich an dieser Stelle meine Anerkennung und meinen ausdrücklichen Dank für die geleistete Arbeit aussprechen.

In den heute vier Abteilungen Turnen und Gymnastik, Fußball, Taekwon-Do und Leichtathletik bietet der Verein Sportinteressierten aus allen Altersstufen ein breitgefächertes und zeitgemäßes Programm, wobei auch das gesellige Vereinsleben nicht zu kurz kommt. Aktuelle Entwicklungen werden mit Flexibilität und Vielseitigkeit aufgegriffen und durch neue Schwerpunktsetzungen in der Jugendarbeit wird für eine gute Weiterentwicklung Sorge getragen, so dass die rege Turn- und Sportgemeinschaft mit berechtigtem Optimismus in die Zukunft sehen kann.

Peter Kapustin
BLSV-Präsident

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Herzlichen Glückwunsch zum 75-jährigen Jubiläum

Erster Bürgermeister Herbert Fischhaber
Erster Bürgermeister Herbert Fischhaber
Sehr gerne schreibe ich dieses Grußwort zum 75-jährigen Jubiläum unseres TSV Bad Wiessee und gratuliere namens der Gemeinde, des Gemeinderates sowie auch persönlich sehr herzlich.

In all diesen Jahren war des TSV eine ganz wichtige, sportliche, gesellschaftliche und auch soziale Stütze unserer Ortsgemeinschaft. Die freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit der Vereinsmitglieder, die hervorragenden sportlichen Leistungen der Mitglieder und die vielen gesellschaftlichen Veranstaltungen sind zugleich auch ein Stück unserer Ortsgeschichte.

Der TSV hat mit seinen verschiedenen Abteilungen ein breites Angebot an sportlichen Betätigungen, vor allem für unsere Jugend, zur Verfügung gestellt. Nicht nur Geräteturnen, Fußball und Leichtathletik, auch Gymnastik für Jung und Alt, Kinderturnen, Taek-won-Do, Tischtennis und Volleyball gehören zu dieser Palette.

Dies hat stets ein großes Engagement der Verantwortlichen, Vorstände, Funktionäre, Übungsleiter und sonstigen Helfer gefordert, denen ich allen für die herausragende Leistung danken möchte. Ich tue dies auch aus der Kenntnis der inneren Strukturen des Vereins heraus, da ich schon von Jugend an aktiv an der Vereinsführung und der sportlichen Darstellung des TSV beteiligt war.

TSV und Gemeinde haben in diesen mehr als sieben Jahrzehnten hervorragend zusammengearbeitet und sich gegenseitig ergänzt. Auch in Zukunft wird sich daran sicher nichts ändern. Auch in der Zukunft wird die Gemeinde Bad Wiessee ihren Turn- und Sportverein fördern und unterstützen.

Herzlichen Glückwunsch zum 75-jährigen Jubiläum

Euer Herbert Fischhaber
Erster Bürgermeister

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Liebe Vereinskameraden,

Erster Vorstand Peter Huber
Erster Vorstand Peter Huber
zu unserem Festabend, anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Turn- und Sportvereins Bad Wiessee e.V., ein herzliches Grüß Gott allen Ehrengästen, Mitgliedern, Vereinen und der gesamten Bevölkerung.

75 Jahre TSV und zugleich 50-jähriges Bestehen der Sparte Fußball sollte Grund genug sein, an jene zu denken, welche seinerzeit den Verein ins Leben riefen.

Dies sei auch Anlaß, mich bei allen Helferinnen und Helfern, bei den Übungsleitern und ganz besonders bei der Vorstandschaft und dem Vereinsausschuss recht herzlich zu bedanken.

Unzählige Stunden wurden geopfert, um mit Idealismus und Hilfsbereitschaft den Verein über 75 Jahre zu erhalten und zu führen.

Mein Dank gilt auch den Geld- und Sachspenden, ohne deren Großzügigkeit unser Vereinsleben gar nicht existieren könnte. Dabei steht an erster Stelle die Förderung des Nachwuchses. Wir haben in unserem Verein 300 aktive Jugendliche, was mich ganz besonders freut.

Ein großer Anteil für das Wohlergehen des Vereins gebührt der Gemeinde, denn für die Anschaffung und den Erhalt der Sportstätten werden erhebliche finanzielle Mittel gebraucht. An dieser Stelle möchte ich auch die Zusammenarbeit mit Bürgermeister und Gemeinderat hervorheben.

Mit Freude und Stolz können wir auf das bisher Erreichte zurückschauen, hoffen es zu erhalten und vielleicht auch noch auszubauen.

Die stattliche Zahl von derzeit 950 Migliedern zeugt von einem guten Vereinsleben. Mögen Gemeinschaftssinn, Kameradschaft und Sportsgeist den TSV weiter prägen und vor allem die Jugend weiterhin zum Sport ermuntern. Sinnvolle sportliche Betätigung schafft einen gesunden Körper, und darin wohnt bekanntlich ein gesunder Geist.

In diesem Sinne wünsche ich unserem Jubiläumstag einen schönen Verlauf, unseren Gästen gute Unterhaltung und dem TSV Bad Wiessee noch viele erfolgreiche Jahre.

Peter Huber
Erster Vorstand

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75 Jahrfeier TSV Bad Wiessee zum Gedenkten

Was wäre ein Vereinsjubiläum ohne einen Rückblick auf die Gründungszeit und die Ereignisse der früheren Jahrzehnte.

Wir möchten zunächst die Zeit vor dem 2. Weltkrieg etwas näher beleuchten und versetzen uns zurück in das Jahr 1923

Der TSV Bad Wiessee von 1923 – 1946

Die Wirren des 1. Weltkrieges waren gerade so am Abklingen, politisch war es etwas unruhig und wirschaftlich begann eine langsame Erholungsphase.

Man hatte auch wieder mehr Zeit und Muße, sich gesellschaftlichen und sportlichen Dingen zu widmen und so wurden im Sommer 1923 die Weichen für einen neuen Turnsportverein gestellt. Nach diversen Anlaufschwierigkeiten wurde der „Turnverein Bad Wiessee“ dann in einer Gründungsversammlung im Jahr 1923 aus der Taufe gehoben und Ludwig Straßer zum 1. Vorstand des 40 Mitglieder zählenden Vereins gewählt.

Der sportliche Leistungswille der Mitglieder war zunächst sehr schwer in die Tat umzusetzen, da an Geräten und Räumlichkeiten viel improvisiert werden musste. Kaum vorstellbar aus heutiger Sicht war zum Beispiel die Tatsache, dass auf dem Viehplatz hinter dem heutigen Café Königslinde ein Reck für die Turner aufgestellt und eine Sprunggrube für die Leichtathleten angelegt worden war. Während der Wintermonate diente der vorwiegend ungeheizte „Postsaal“ als provisorische Übungsstätte.

Bergturnfest am Blomberg, 1932.
Bergturnfest am Blomberg, 1932.

Die Turnstunden fanden regen Zulauf, die Leistungen wurden durch kontinuierliches Training immer besser und schon bald stellten sich die ersten Erfolge bei Sportveranstaltungen ein. Besonders beliebt waren in dieser Zeit die noch heute existenten Bergturnfeste, allen voran die auf der Neureuth und auf dem Blomberg bei Bad Tölz.

Selbstverständlich sollte auch der sportliche Vergleich auf heimischen Boden den gesellschaftlichen Stellenwert des Turnvereins steigern helfen und so wurden an der Kurpromenade einige Sportfeste abgehalten. Dabei entwickelte sich eine außerordentlich attraktive Mehrkampfstaffel – bestehend aus Laufen, Schwimmen und Rudern – die aufgrund der räumlichen Verbindung Wasser/Land zu einem Novum wurde und einen Bekanntheitsgrad weit über die Grenzen des Landkreises hinaus ereilte.

Die hoffnungsvolle Mannschaft des Turnvereins Bad Wiessee in den 50iger Jahren.
Die hoffnungsvolle Mannschaft des Turnvereins Bad Wiessee in den 50iger Jahren.

Damals wie heute war es nicht einfach finanzielle Probleme eines Vereines zu bewältigen. Die zündende Idee hatte der inzwischen zum 1. Vorstand gewählte Josef Neumeier mit dem Turnerball, der in dieser Zeit und auch noch viele Jahre später eines der Hauptereignisse im gesellschaftlichen Leben von Bad Wiessee war. Eine weitere Einnahmequelle wurden die seinzeit gemeinsam mit dem Ski-Club veranstalteten ersten Waldfeste, die das Vereinsleben und den Zusammenhalt in der Bevölkerung immer mehr festigten.

Dem ständigen Aufwärtstrend und steigenden Mitgliederzahlen wurde das Angebot des Turnvereins nicht mehr gerecht. So nützte man 1927 eine günstige Gelegenheit zum Kauf der inzwischen frei gewordenen katholischen Notkirche für 700 Reichsmark und installierte dort unter freiwilligem Arbeitseinsatz der Vereinsmitglieder eine Turnhalle.

Die Turner 1951 in Hamburg.
Die Turner 1951 in Hamburg.

Dieser Meilenstein beflügelte erneut das Vereinsleben und mit großem Engagement wurden neue Ziele im Ausbau des Vereins in Angriff genommen. Die schon 1925 gegründete Damenriege erweiterte sich auf stattlich 20 Turnerinnen und durch die verbesserten Trainingsmöglichkeiten blieben letztlich auch die sportlichen Erfolge nicht aus. Bei vielen Veranstaltungen waren sie immer wieder im Spitzenfeld der Ergebnislisten zu finden. Stellvertretend ist an dieser Stelle nur das Gauturnfest 1929 zu nennen, bei dem die Plätze 1-5 an den TV Bad Wiessee gingen.

Reisen scheuten die Wiesseer Turner nicht zurück. So nahmen beispielsweise an der Einweihung einer Büste vom Turnvater Jahn auf der Wallhalla an der Donau zwischen Regensburg und Straubing im Jahre 1928 auch eine offizielle Abordnung des TV Bad Wiessee teil.

Helga Fischhaber auf dem Treppchen (rechts).
Helga Fischhaber auf dem Treppchen (rechts).
Die wirtschaftliche Situation im Allgemeinen ging auch am TV Bad Wiessee nicht sporlos vorüber und so stand die Vorstandschaft 1927 vor dem Problem, mit leergewordener Vereinskasse die Finanzierung einer neuen Halle zu tätigen.

Die prikäre Lage spitze sich im Laufe der Jahre immer mehr zu und spiegelte sich in mehreren Wechseln in der Vereinsführung wieder. So lösten sich nacheinander die Herren Neumeier, nochmals Ludwig Straßer und anschließend Sepp Lenbach in der Vereinsführung ab, bevor 1935 Josef Straßer die Geschicke übernahm. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das herkömmliche Vereinsleben durch einen aussichtslosen Konkurrenzkampf mit den immer zahlreicher werdenden NS-Organisationen immer stärker in den Hintergrund gedrängt wurde.

Einen sportlicher Lichtblick tat sich 1935 mit der Inbetriebnahme der neuen Turnhalle an der Volksschule auf. Im Gegenzug dafür musste der Verein jedoch seine Holzhalle ohne Ablöse der Gemeinde überlassen. Der Bau wurde abgebrochen und die vereinseigenen Sportgeräte an die Schule zur gemeinsamen Benutzung abgegeben. Es kam zu einer Vereinbarung mit der Schule, wonach dem Turnverein ein gewisses Kontingent an Übungsstunden zugestanden wurde. Diese Regelung wurde aber immer mehr missbraucht und die zugesagten Stunden andersweitig beansprucht, so dass letztendlich kaum noch Übungsstunden übrig blieben.

Die allgemeine politische Entwicklung führte schließlich 1937 zur Stilllegung des Turnbetriebes und der Einstellung der Vereinstätigkeit.

Zwei Jahre später erfolgte der Áusbruch des Krieges, dem auch einige Mitglieder des Turnvereins zum Opfer gefallen sind oder bittere Jahre in Kriegsgefangenschaft verbringen mussten.

Hof der Wiesseer Schule: Willi Scherer am Reck.
Hof der Wiesseer Schule: Willi Scherer am Reck.

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Der TSV Bad Wiessee von 1946 bis 1998

Die Kriegsjahre waren vorbei; langsam fand das Leben wieder in geordneten Bahnen zurück, und auch der Sport keimte da und dort wieder auf. Abermals im traditionsreichen Gasthof zur Post traf man sich – wie schon bei Vereinsgründung – im Herbst 1946, um den Turnverein wieder ins Leben zurückzurufen. Neben den einheimischen Turnern und Fußballern aus der Vorkriegszeit war nun eine stattliche Zahl von neu hinzugekommenen Heimatvertriebenen an Bord. Der neu aus der Taufe Gehobene gab sich den heute noch gültigen Namen „Turn- und Sportverein“.

Herr Karl Erdgschwendtner wurde von ca. 60 Mitgliedern zum 1. Vorstand gewählt. Die treibende Kraft im sportlichen Bereich war damals der Oberturnwart Willi Bohn, der auch maßgeblichen Anteil an der Neugründung des Turngaues Oberland im Herbst 1947 hatte, dessen Oberturnwart er ebenfalls wurde.

Weitere große Verdienste um den Ausbau der Wiesseer Turnriege erwarb in diesem Zeitraum auch der in einem Wiesseer Versehrtenlazarett untergebrachte Landesturnwart Willi Buegger vom TV 1846 Nürnberg.

Nicht zu vergessen auch Frau Irmi Reinhard, die im Laufe der Jahre eine erfolgreiche Mädchenriege aufbaut und geführt hat, und darüber hinaus auch als Bezirksturnwartin fungierte.

Mit dem kontunuierlichen Training stellten sich bald auch die größeren sportlichen Erfolge bei den Turnern und Leichtathleten, sowohl im regionalen Bereich, aber auch an Bayerischen und Deutschen Turnfesten ein.

Hervorzuheben ist hier das insgesamt glänzende Abschneiden beim ersten Bayerischen Landesturnfest 1952 in Augsburg.

Bei der Deutschen Volksturnmeisterschaft 1954 machte ein junger Mann namens Helmut Ertle von sich reden und erreichte im Junioren-Dreikampf einen ausgezeichneten 3. Platz. Zwei Jahre später erfolgte seine Berufung in die Bayerische Auswahl, mit der er zu Vergleichskämpfen nach Dänemark und Schweden reiste.

An dieser Stelle darf betont werden, dass unsere Jugendturnriege Mitte der 50er Jahre zu den besten in Bayern zählte. Das Aushängeschild war in diesem Bereich Willi Scherer – einer der besten bayerischen Turner in dieser Zeit – aber nicht zu vergessen auch die übrigen Turner Heinz Ebenbeck, Engel, Adi Knott, Hans Stumbeck und Roman Voigt, sowie der später weltbekannte Wiesseer Extrembergsteiger und Bezwinger des Nanga Parbat, Toni Kinshofer. Ein Beispiel für die Wiesseer Dominanz im Turnsport dieser Ära ist die Tatsache, dass sie bis 1956 den überwiegenden Teil der Gauriege gestellt hat, was zweifellos die Schlussfolgerung zulässt, dass dieser sportliche Höhenflug zu den herausragenden Ereignissen der Vereinsgeschichte zählt. Dies soll jedoch spätere Erfolge keineswegs schmälern.

Willi Scherer im Pausenhof der Wiesseer Schule am Seitpferd.
Willi Scherer im Pausenhof der Wiesseer Schule am Seitpferd.

Neben den üblichen regionalen Sportveranstaltungen wurden in den Folgejahren alle Bayerischen und Deutschen Turnfeste besucht, wobei immer wieder beachtliche Erfolge verzeichnet waren. Auch hier – stellvertretend für alle Teilnehmer – ist ein Name hervorzuheben, der Wiesseer Sportgeschichte geschrieben hat: Herbert Fischhaber belegte in zahlreichen hochkarätigen Wettkämpfen beste Platzierungen, denen eine Berufung in die Bayerische Auswahlmannschaft folgte und Teilnahmen im Länderkampf Bayern/Baden-Württemberg/Schwaben berechtigte.

In diese Zeit fällt auch die Gründung einer seperaten Tischtennisabteilung von der wir in einer eigenen Rubrik seperat und ausführlich berichten wollen.

In der Vereinsführung herrschte ein Kommen und Gehen, die Geschicke wurden abwechselnd von Herrn Dr. Gerngroß, Karl Mayr und Hans Windfelder geleitet, bevor ab 1959 Hans Weigl – unsere heutiger Ehrenvorstand – den Vorsitz für einen längeren Zeitraum übernahm. Eines der großen Probleme der damaligen Vorstandschaft – ebenso wie der heutigen – ist die Turnhalle. Die überaus große sportliche Nachfrage engte den Handlungsspielraum des Vereins dermaßen ein, dass schweren Herzens auf manche Sportart verzichtet werden musste, nur weil es an einer geeigneten Übungsstätte und Möglichkeiten fehlte.

Helga Fischhaber am Barren.
Helga Fischhaber am Barren.

Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die Einweihung des neuen Sportplatzes an der Hagngasse am 05.08.1962. Sowohl die Leichtathleten wie auch die Fußballer nutzten diesen Tag zur Präsentation. So bestritt der – damals noch nicht weltbekannte – FC Bayern München das Eröffnungsspiel gegen den FC Freibung; im Rahmenprogramm zeigte die verstärkte Kreisturnriege des TSV 1860 München vor ca. 5.000 Zuschauern hervorragende Leistungen.

Endlich konnte man auch auf heimischen Terrain größere Sportfeste durchführen, zumal vergleichbare Anlagen im Landkreis Mangelware gewesen sind. Schon 1963 und 1964 gingen hier die Leichtathletikkreismeisterschaften über die Bühne; ferner auch ein Leichtathletikmehrkampftag und das Gaufest.

Zweifelsohne war in dieser Zeit nochmals durch die neu geschaffene Möglichkeiten ein sportlicher Auftrieb zu verzeichnen. Eine neu gegründete Schülerriege gab Anlass zu berechtigten Hoffnungen für die Zukunft. Leider war es aber auch unübersehbar, dass durch die „Zeichen der Zeit“ für den Verein immer schwerere Zeiten anbrachen und langsam dunkle Wolken am sportlichen Horizont auftauchten. Die Recken von damals kamen langsam in die Jahre; berufliche und familiäre Ambitionen hatten verständlicherweise Vorrang, womit die Vorbildfunktion auf der Strecke blieb. Daraus resultierte ein weiteres Problem der fehlenden Übungsleiter.

Noch gravierender machte sich die Individualisierung des Sports allgemein bemerkbar. Viele neue Sportarten machten den traditionellen Sportvereinen Konkurrenz; der Trend ging eindeutig weg von den herkömmlichen Strukturen; das Vereinswesen war einfach nicht mehr „in“. Dies musste als erstes die Turnabteilung spüren, zumal die Turnerei ohnehin nicht zu den Massensportarten zählte und keine breite Basis aufwies. Die Leichtathleten hielten sich noch etwa 10 Jahre über Wasser, dann kam auch hier das Vereinswesen bis auf wenige Ausnahmen zum Erliegen.

Einziger positiver Aspekt bei diesem Strukturwandel war die Gründung einer Frauengymnastikabteilung im Jahr 1985. Nicht mehr sportliche Höchstleistungen im direkten Wettkampfvergleich standen im Vordergrund; man wollte sich einfach wieder ein bisschen sportlich betätigen.

Im Laufe der Jahre erfuhr dieser Bereich immer mehr Zulauf und brachte mehrere Vereinigungen in verschiedenen Altersgruppierungen mit unterschiedlichen Anforderungen hervor. Nicht nachstehen wollten diesbezüglich die Männer, die bereits seit längerem ebenfalls zwei Gymnastikgruppen haben.

Einige wenige Engagierte besannen sich nach längerer Abstinenz wieder auf die Jüngsten im Verein, den Nachwuchs. So sind nach zäher Aufbauarbeit bis zum heutigen Tag mittlerweile fünf Kinderturngruppen in das Vereinsleben integriert; ebenso konnte vor einiger Zeit auch das sogenannte „Mutter/Kind-Turnen in das Programm aufgenommen werden.

Einen fernöstlichen Touch erhielt der TSV Bad Wiessee im Herbst 1981 mit der Gründung einer Kampfsport“>Teak-won-Do-Abteilung. Gründungsmitglied, treibende Kraft, Mädchen für alles und ein wahrer Großmeister seines Faches ist hier Rudi Thim, der regelmäßig etwa 60 bis 80 Jugendliche mit großem Engagement betreut und auch auf sportlichem Sektor außerordentliche Erfolge zu verzeichnen hat.

Nach längerer Durststrecke machte 1996 wieder die Leichtathleten von sich reden und stellten damit den jüngsten Bereich der Angebotspalette dar. Vorerst nur im Kinder- und Jugendbereich tätig, wird versucht, hier wieder Fuß zu fassen und möglicherweise an alte sportliche Traditionen anzuknüpfen.

Soweit die 75-jährige Vereinsgeschichte des TSV Bad Wiessee bis 1998 im Zeitraffer, die demnächst um einige weitere Zeilen ergänzt werden soll. Grund: 2013 jährt sich das Bestehen des Vereins zum 90 Mal.

Die Vorstandschaft von 1998: 1. Reihe von links: Herbert Fischhaber, Fritz Niedermaier, Hans Steinrötter, Peter Huber, Helga Fischhaber, Kurt Sareiter; 2. Reihe von links: Stefan Zimmermann, Raimund Plodek, Thomas Janel, Michaela Maschat, Michael Zimmermann, Wolfgang Klien; hintere Reihe: Walter Cerveny, Peter Kanzler, Hans Weigl, Wolfgang Spohr
Die Vorstandschaft von 1998: 1. Reihe von links: Herbert Fischhaber, Fritz Niedermaier, Hans Steinrötter, Peter Huber, Helga Fischhaber, Kurt Sareiter; 2. Reihe von links: Stefan Zimmermann, Raimund Plodek, Thomas Janel, Michaela Maschat, Michael Zimmermann, Wolfgang Klien; hintere Reihe: Walter Cerveny, Peter Kanzler, Hans Weigl, Wolfgang Spohr

Selbstverständlich gäbe es noch vieles über den Verein zu sagen, aber das würde den Rahmen dieser (75 Jahre) Festschrift sprengen. Trotzdem wollen wir versuchen, auf den folgenden Seiten noch einige herausragende Ereignisse mit einem eigenen Beitrag transparent zu machen und durch Bilder aus der damaligen Zeit zu komplettieren.