Fußballer von 1931 bis 1946

Die Fußballer der 50er Jahre.
Die Fußballer der 50er Jahre.

Erstmals von sich reden machte die Abteilung Fußball des TSV Bad Wiessee im Jahre 1931. Die angestrengte wirtschaftliche Situation des Hauptvereines erlaubte es seinerzeit nicht, dem Abkömmling eine finanzielle Starthilfe zu geben.

Der Wille, etwas zu schaffen, sowie eine große Portion Eigeninitiative machten diesen finanziellen Engpass zu einer überwindbaren Hürde, so dass in relativ kurzer Zeit unter der Leitung von Franz Lenbach eine Fußballmannschaft entstand.

Zunächst gab es nur einige wilde Spiele auf provisorisch hergerichteten Wiesen, vorwiegend gegen Nachbarsvereine. Es folgte 1934 eine Anmeldung im Fußballverband, und der Überlieferung zufolge soll eine Mannschaft aus Tegernsee der erste offizielle Gegner gewesen sein.

Das erste echte Fußballfeld: Auf der Wiese des Hanslbauern am See - heute ehemaliges Spielbankgelände.
Das erste echte Fußballfeld: Auf der Wiese des Hanslbauern am See – heute ehemaliges Spielbankgelände.

Das erste Spielfeld wurde 1932 nach zähen Verhandlungen von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Es war die von dem damaligen Kurheim Hanslbauer (ehemaliges Spielbankgelände) gelegene Wiese. Viele freiwillige Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder waren nötig, um aus einer buckeligen Wiese mit starkem Gefälle zum See hin eine Fläche herzustellen, die halbwegs das Prädikat „Sportplatz“ verdiente.

Um die damaligen Verhältnisse zu verdeutlichen zitieren wir auszugsweise aus dem Berichtsheft des damals amtierenden Mannschaftsleiters Franz Lenbach einige Passagen:

Das Jahr 1934 war für uns ein großes Jahr. Der Fußballplatz wurde zum Teil aufgefüllt, die alten Tore ersetzt und Gitter angebracht. Alle Arbeiten wurden freiwillig und kostenlos ausgeführt. Vor Beginn der Spielzeit musste jeder Spieler 20 RM bezahlen, wofür Dressen gekauft wurden. Erstmals kann die Mannschaft in neuer, einheitlicher Kleidung, schwarze Hose, gelb/scharzes Trikot, spielen. Große Erfolge haben wir in diesem Jahr errungen, besonders im Spiel gegen „Wacker Südstern München“. Zum ersten Mal kann Wiessee mit einer zweiten Mannschaft antreten, welche einen guten Start hatte und 5:3 gewann. Die Erste Mannschaft spielte unentschieden 5:5.

Gleichzeitig konnte man die bisher größten Einnahmen mit 36 RM verbuchen. Die Reineinnahmen im ganzen Jahr waren 129,45 RM, wovon ein Teil dem Turnverein abgeführt wurde. Das Interesse für Fußball wird in Bad Wiessee immer größer, und man sieht auch ein, dass die Fußballer bereit sind, große Opfer zu bringen.

Neben den finanziellen Entbehrungen – die jeder einzelne Spieler bringen musste, und die einen vorbildlichen Mannschaftsgeist in dieser schwierigen Zeit dokumentierten – zeigte sich doch nach den ersten Verbandsspielen recht deutlich, dass in den Punktspielen wesentlich mehr Härte und Kondition erforderlich waren, als bei den bisherigen Privatspielen. Der erste „Titel“ stellte sich 1936 ein, als die Erste Mannschaft Herbstmeister wurde, am Ende der Spielzeit jedoch mit dem zweiten Tabellenplatz eine achtbare Bilanz gezogen wurde, was die sportliche Zukunft gesichert erschienen ließ.

Auszug Fußballmannschaften
Auszug Fußballmannschaften

Wo damals Fußball gespielt wurde, belegt ein Auszug (Bild rechts) aus der seinerzeitigen Spielgruppe mit folgenden Mannschaften:

Wirtschaftlich war die Talsohle allmählich durchschritten, und auch im organisatorischen Bereich schienen die größeren Schwierigkeiten überwunden.

Die Entwicklung brachte es mit sich, dass der Spielbetrieb immer mehr mit bürokratischen Maßnahmen verbunden wurde, und darüber hinaus die Beteiligung an den Verbandsspielen eine unerwartet schwere finanzielle Belastung wurde. So waren die Punktspiele durch ständige Zuschauerrückgänge gezeichnet, was sich wiederum negativ auf die Vereinskasse auswirkte. In den schlimmsten Fällen konnte nicht einmal mehr der Schiedsrichter bezahlt werden, der damals 10 RM pro Spiel erhielt.

Der Einfallsreichtum der Vorstandschaft kannte fast keine Grenzen und um einem finanziellen Desaster auszuweichen, wurden Pokalspiele und Privatspiele bei Münchner Vereinen angestrebt. Darüber hinaus sorgten gelegentliche kleinere Spenden von Privatpersonen und nicht zuletzt ein zünftiger Faschingsball dafür, dass man so einigermaßen über die Runden kam.

So etwa ab dem Jahre 1937 wirkten sich die Auflösungserscheinungen des Hauptvereins auch auf die Sparte Fußball aus. Die konkurrierenden staatlichen Verbände zehrten die traditionellen Vereine und das Vereinsleben immer mehr aus, die letzendlich im Jahr 1939/40 in einer Fusion mit dem Nachbarverein aus Marienstein seinen Höhepunkt fand. Bald darauf war Kriegsausbruch und ein geregelter Spielbetrieb musste eingestellt werden.

In den folgenden Kriegsjahren blieben auch die Wiesseer Fußballer von zahlreichen Schicksalsschlägen nicht verschont. So mussten sechs Stammspieler ihr Leben lassen, viele andere kehrten erst nach längerer Gefangenschaft und gesundheitlich sehr angegriffen an den Tegernsee zurück.